Akustisch und elektrisch bezeichnen keine einfachen Gegensätze wie natürlich und künstlich. Ein akustisches Instrument kann mit einem Mikrofon aufgenommen oder über eine Anlage verstärkt werden. Eine elektrische Gitarre kann sehr zurückhaltend klingen oder stark bearbeitet sein. Für einen Vergleich lohnt es sich deshalb, die Entstehung des Tons von seiner Aufnahme und späteren Wiedergabe zu trennen.

Was am Instrument geschieht

Bei einer akustischen Gitarre wird die Schwingung der Saiten auf den Körper übertragen, der an der hörbaren Abstrahlung beteiligt ist. Yamahas Instrumentenführer erläutert dieses Zusammenspiel. Elektrische Gitarren gibt es wiederum in unterschiedlichen Bauformen, darunter massive und hohle Körper. Schon deshalb ist die Vorstellung eines einzigen elektrischen Gitarrenklangs zu eng.

Beim Hören einer Aufnahme kommt hinzu, wie das Signal erfasst und weiterverarbeitet wurde. Eine akustische Gitarre mit eingebautem Tonabnehmer bleibt ein akustisches Instrument, auch wenn ihr Signal verstärkt wird. Der Begriff unplugged im Titel einer Veröffentlichung erklärt außerdem nicht automatisch die gesamte Aufnahmetechnik. Für genaue Aussagen sind Angaben zur konkreten Produktion nötig.

Eine vergleichbare Passage auswählen

Nimm zwei Fassungen derselben kurzen musikalischen Idee, wenn sie verfügbar sind. Achte auf Anschlag, Ausklingen und die Verbindung zwischen aufeinanderfolgenden Tönen. Eine stark gehaltene Note kann eine andere Phrasierung ermöglichen als ein rasch abklingender Ton. Das ist eine musikalische Möglichkeit, keine allgemeine Qualitätsrangfolge.

Prüfe auch, ob Lautstärke und Arrangement den Vergleich dominieren. Eine allein gespielte akustische Gitarre wirkt anders als eine elektrische Gitarre zwischen Schlagzeug und mehreren weiteren Stimmen. Wenn du daraus eine Aussage über das Instrument selbst ableitest, vermischst du Besetzung und Klangquelle. Beschreibe in solchen Fällen lieber die beiden vollständigen Fassungen.

Auf Entscheidungen statt Etiketten hören

Eine reduzierte Aufnahme kann Pausen und Nebengeräusche stärker hervortreten lassen. Eine bearbeitete Fassung kann Töne verlängern oder mehrere Klangebenen verbinden. Beide können dicht oder sparsam gestaltet sein. Frage deshalb, welche Bewegung in der konkreten Version leichter hörbar wird und welche in den Hintergrund tritt.

Für eine gemeinsame Besprechung reicht ein genauer Vergleich: In der ersten Fassung endet jeder Ton deutlich, in der zweiten gehen die Töne stärker ineinander über. Ergänze anschließend, wie sich dadurch der Charakter der Phrase verändert. Das ist überprüfbarer als die Aussage, elektrische Instrumente seien grundsätzlich lauter oder akustische grundsätzlich ausdrucksvoller. Die Kategorie erklärt Möglichkeiten; die hörbare Gestaltung entscheidet, welche davon genutzt werden.